Das Jahr 1913

Das Schützenfest vom 28. Juli 1913

Im Meininger Tageblatt vom 29.Juli 1913 wurde u.a. berichtet:

Die Schützengesellschaft hatte ihre Mitglieder und zahlreiche Ehrengäste geladen. Hervoragendste Gäste waren Oberbürgermeister Schüler, Generalmusikdirektor Hofrat Professor Max Reger, Hofschauspieler Fuchs.

Neuer Schützenhaussaal, Zeichnung von Karl Behlert 1912
VH,Ansicht Nord

Hofbaurat Karl Behlert übergab den Saal an den Schützenmeister Dr. Härtrich u.a. mit folgenden Worten:

"Der Bau möge seine Bestimmung und die daran geknüpften Hoffnungen voll und ganz erfüllen... "
"Möge er allen gemeinnützigen Veranstaltungen ein Heim, den künstlerischen und wissenschaftlichen Bestrebungen eine Pflegestätte sein, möge er der Geselligkeit, der Erholung und der Freude dienen und traute liebe Räume bieten, und möge der Saalbau Ihnen geehrter Herr Schützenmeister, der Schützengesellschaft und unserer Stadt dauernd zur Ehre gereichen. 

Also mit Gunst!"

Die Festteilnehmer zogen unter den Klängen des Liedes " Einzug der Sänger auf die Wartburg" in die neuen Räume ein. Vom Orchester her erklangen hierauf in gemeinsamem Chorgesang die vierstimmigen Lieder der vereinigten Gesangvereine Erholung, Liedertafel, Sängerkranz. 

______________Anteilschein zur Finanzierung 1913 __________________Hofbaurat Karl Behlert ___________
Anteilschein

Schützenmeister Dr. Härtrich stellte in seiner Begrüßungsrede folgendes fest:

"Man könne heute wohl mit großer Freude feststellen, dass die Notwendigkeit eines großen Saales für unsere Stadt allgemein anerkannt wird.  Als ein schlagender Beweis hierfür mögen die Veranstaltungen aus Anlass des Jubiläums  des Realgymnasiums, des Zentralvereins für Deutsche Binnenschiffahrt usw. gelten, bei denen der Zustrom von Fremden derartig war, dass ihn die alten Räume des Schützenhauses nicht fassen konnten.
Da die Stadt Meiningen stets bestrebt sei, Fremde nach Meiningen zu ziehen, so sei sie auch verpflichtet gewesen, dafür zu sorgen, dass sich die Fremden in der Residenz wohl und heimisch fühlten.

In diesem Bestreben, die Allgemeinheit, die Stadtgemeinde, die Mitbürger zu unterstützen, habe die Schützengesellschaft es auf sich genommen, den Saal zu bauen und ihn zur öffentlichen Benutzung zur Verfügung zu stellen.

Möge der Saal stets sein eine Pflanz- und Pflegestätte für Kunst und Wissenschaft, möge er sein ein Heim für Mitglieder der Schützengesellschaft zur Erholung und Erbauung. Mögen darin unseren Mitbürgern in Meiningen im allgemeinen und unseren Mitgliedern besonders stets anregende Stunden gegeben werden, an die sie jederzeit in Erinnerung selig zurückdenken mögen."

Die Einweihung des Neuen Schützenhaussaales im Juli 1913

Neben zahlreichen vaterländisch geprägten Reden, Prologen und Gedichten wurde der Vortrag des Hofschauspielers Fuchs mit großem Beifall entgegen genommen:

"Vollendet ist der Bau -- der Meister lächelt,
 Obwohl es manchmal schwere Tage gab;
 Die Arbeitssorgen sind hinweggefächelt,
 Entlassen ist der Maurer- und der Tüncherstab;
 Das Werk, -- es wird nun fleißig durchgehechelt.
 Und jeder gibt sein giltig Urteil ab;
 Denn was am Zeichentisch so fein gesponnen,
 Das steht nun offenkundig an der Sonnen.
 So will ich denn  auch einmal kritisiern ---

schiefe Wände

"Ach Meister -- geh doch lieber aus dem Saal!
 Es dürfte dich am Ende doch genieren,
 Hörst du die Schande jetzt und den Skandal! --
 Doch willst du was von mir profitiern,
 so bleib! -- mir ist das Schließlich tout egal;
 Ich will dir schon die Wahrheit gründlich geigen!
 Obs trifft -- wird sich an deiner Blässe zeigen!"

 Zunächst erheb' ich  laut die schwere Klage,
 Dass alle Wände wacklig sind und schief;
 Mir wenigstens erscheint's am heut'gen Tage,
 Als wenn es krumm hier durcheinander lief--
 (Oh bitte sehr -- ich weiß schon was ich sage),
 Die Decke hängt mit auch noch viel zu tief;
 Das Allerschlimmste sind die Türen:
 So eng -- dass ich mich fürcht', sie zu passieren.

schiefe Säulen

Und weiter--, leider muss ich's offen sagen--
 Find' ich den Saal  ganz unbedingt zu klein;
 Wenn hier 'mal Englands  Suffragetten*) tagen,
 Wie sollen die denn alle da herein?
 Nun freilich würden sie die Wand zerschlagen,
 Denn schnell zu helfen weiß sich der Verein.
 Doch besser wär's, man baut in jedem Falle
 Für diesen Zweck noch eine Riesenhalle.

Multihalle

Nun ernstlich: Diesen schönen Saal zu bauen,
 Gelang in vorgesteckter Jahresfrist;
 Im Festglanz darfst du heut die Pracht erschauen,
 Recht schön. dass Du dazu geladen bist;
 Wie strahlt er doppelt heut' im Schmuck der Frauen!
 (Was ein erhöht Privatgefühl mir ist),
 Wie muss sich's in diesem Saale walzen!

 Wie süß wird die Musik von Liepe** klingen!
 Auch Hofkonzerte gibt's -- hab ich gehört;
 Wie herrlich werden hier die Sänger singen --
 Vorausgesetzt, dass sie kein Schnupfen stört.
 Auch Variete's, Ballette könnt man bringen,
 (Was wieder mein Privatgemüt betört) --
 Sehr gut kläng'  hier auch Operette,
 Doch eine ausgesuchte, feine nette.
 Kongresse werden täglich abgehalten,
 Es schläft darin der Wandervogelbund;
 Zur Rollschuhbahn ihn zeitweis zu gestalten,
 Wär ganz ersprießlich und gesund;
 Bei schlechtem Wetter Wochenmarkt hie halten:
 Weshalb denn nicht? 's gibt keinen Gegengrund;
 Für was für Dinge noch der Saal zu brauchen --
 Das tut sich in der Zukunft Schoß verkrauchen.

 Doch nun genug gescherzt -- dem Tag der Weihe
 Gebührt auch wohl ein ernst gemeintes Wort;
 Dass in Meiningen der Fortschritt gedeihe,
 Beweist der hier geschaffn'e  würd'ge Ort!
 Und so kommt langsam alles in die Reihe,
 Im Nötigen sowohl, als auch im Sport.
 Und wenn uns erst elektrisch Licht wird strahlen,           
Dann -- Untermaßfeld, kannst du nicht mehr prahlen.
 
 Den wärmsten Dank muss man den Männern zollen,
 Die sich entschlossen haben zur Tat;
 Und der es ausgeführt hat, was sie wollen.
 Der tücht'ge Mann ist unser Hofbaurat;
 Und es hat große Opfer kosten sollen:
 Es werden Früchte reifen aus der Saat;
 Es wird der Stadt, es wird dem Lande nützen!
 Darum ein kräftig "Heil" den wackern Schützen!

Die Kriegsjahre 1914 - 1918

Am 19. April 1914 wurde durch den Organisten der Thomaskirche Leipzig, Herrn Prof. Karl Straube die auf Anregung von Max Reger eingebaute Orgel im großen Volkshaussaal (damals "Großer Schießhaussaal") eingeweiht. Zu der Trauerfeier im großen Saal der Schützengesellschaft anläßlich des Todes von Herzog Georg II. (25.Juni 1914) spielte Max Reger selbst auf der Orgel.

Am 1. August 1914 begann der erste Weltkrieg, danach wurde die Orgel kaum noch benutzt.

Die Einweihung der Regerorgel im neuen Schützenhaussaale
Regerorgel, Meininger Tageblatt 1914

Nach Kriegsbeginn 1914  wurde im neuen Saal  ein Reservelazarett eingerichtet.

Lazarett

Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen

Nach dem 1. Weltkrieg präsentierten sich Meininger Vereine, wie der Männergesangverein "Liedertafel", der Fechtverein und der Turnverein  im neuen Saal.Ein vielfältiges kulturelles Leben fand in dieser Zeit, besonders in 20er Jahren, in den beiden Häusern statt.

Fechtklub
Turnverein
Unterer Schützenhaussaal um 1930 (aus dem Archiv von Peter Schmidt-Raßmann)

In den 30-er Jahren fanden in dem Haus  neben den Veranstaltungen der Vereine auch Propagandaveranstaltungen der Nationalsozialisten statt.
1937 wurde die Reger-Orgel durch den Schützenverein an die Gemeinde der Weihnachtskirche  Berlin - Haselhorst verkauft. Dort erklingt sie noch jetzt  und wurde dort mehrfach restauriert. 

Während des 2.Weltkrieges dienten Schützenhaus und der große Saal wieder als Reserve-Lazarett, als Lazarett für Kriegsgefangene und als Flüchtlingslager.

Reservelazarett im Meininger Schützenhaus 1940 bis 1945 (Archiv Frank Weinelt)
Lazarett 44