Das Schützenhaus Meiningen von 1831 bis 1913

Meiningen/Werra um 1870, mit altem Schützenhaus, Hoftheater u. Werrabrücke

Das Schützenhaus wurde 1831 nach Plänen des Architekten Georg  Philipp  Buttmann  errichtet (eingeschossig, ohne Saal). Im gleichen Jahr entstand das Alte Meininger Hoftheater nach Plänen des Braunschweiger Architekten Baurat Othner unter der Bauleitung des Meininger Baumeisters August Wilhelm Döbner.
Das Gebäude diente lange  Zeit  dem Schützenverein als Vereinshaus. Die Mitglieder des Schützenvereins sowie Bürger der Stadt Meiningen mit ihren Familien feierten hier ihre Feste.
1835 wurde das Haus nach Entwürfen von Hofbaumeister August Wilhelm Döbner erweitert. Unter der Bauleitung von Hofbaumeister Döbner entstand auch das alte Meininger Hoftheater, das am 31.12.1831 eingeweiht wurde.Da das Alte Hoftheater im März 1908 den Flammen zum Opfer fiel, ist das alte Schützenhaus der älteste noch erhaltene Gesellschaftsbau  des 19. Jahrhunderts in Meiningen.

Das Meininger Schützenhaus um 1870

1865 entstand nach Zeichnungen von Baumeister Otto Hoppe die heutige Gestalt des Hauses, ein dreigeschossiger Bau in klassizistischen Formen mit Mittelrisalit, Pilastergliederung und Dreiecksgiebel sowie einem Stuckrelief von Hofbildhauer Ferdinand Müller, eines Lehrmeisters von Karl Behlert.

Schützenhaus im Oktober 2005

1897-99 erfolgte nochmals eine Erweiterung nach Plänen von Otto Hoppe und Karl Behlert.

Im "Meininger Tageblatt" vom 28.Juli 1913 heißt es:

"Der Schützenhaussaal war wieder einmal zu klein geworden. Das hatte der Winter von 1909 auf 1910 bewiesen. Festlichkeiten aller Art hatten in den Räumen des alten traulichen Schützenshauses stattgefunden, aber was früher als eine große Annehmlichkeit empfunden worden war, das hatte sich in einen unhaltbaren Zustand umgewandelt.Der Meininger liebt es, im engen Raum in dicht gedrängter Männerrunde von des Tages Arbeit Erholung zu suchen, und wenn ihn dann nach sauren Wochen frohe Feste hinunter in den Schießhaussaal riefen, dann war es noch lange nicht das Schlimmste, wenn der Damen holde Schar den dichten Ring der Männer noch enger zusammen schloss.

Aber mit der Zeit war es doch zu schlimm geworden. Auf den Bällen der geselligen Vereine drängten sich  um die tanzlustige Jugend die zuschauenden und tanzfaulen Festteilnehmer in einer mehrgliederigen Mauer. Die Mütter, die im Schwarzseidenen auf der primitiven Bühne thronten oder rings die Wände zierten, die Töchterlein, die im hellen Fähnchen den Platz belebten, sie brauchten den Fächer und das Taschentuch ohne Unterlass und gar die Herren, die das Tanzbein schwangen oder schwingen mussten? Sie erhielten im Frack oder hohen Stehkragen einen Vorgeschmack von jenen Qualen, die dereinst den Sündenknechten dieser Welt drohten.So konnte es nicht mehr weitergehen."

Im März 1910 entschloss sich der Schützenverein , den oberen Saal des Schützenhauses auszubauen u. zu erweitern. In einem  Rundschreiben an die Meininger Vereine bat der Schützenverein, Wünsche und Vorschläge zu zu dieser Erweiterung zu äußern. 

Das Ergebnis aller Wünsche war: es muss ein neuer, größerer Saal gebaut werden.  Es wurde ein Wettbewerb für Architekten und Baufirmen für den Entwurf eines neuen Saales ausgeschrieben.  Der Entwurf des Hofbaurates Karl Behlert wurde von den Preisrichtern  als bester Entwurf auserkoren.

An 12. April 1911 beschloss der Schützenverein den neuen Saal zu bauen. Dann begann der Streit um die Finanzierung, der nach heftigen Auseinandersetzungen schließlich mit Hilfe von Spendern u. Sponsoren folgendermaßen gelöst werden konnte:

20. 000,-M  von Sr. Hoheit dem Herzog Georg II.


15.000,- M  von den Herren Geheimer Kommerzienrat Dr.Strupp (10.000 M), Herrn Finanzrat M.Strupp (5.000 M)

   
60.000,- M   von  der Stadt Meiningen zu vereinbarten Bedingungen


70.000,-M    der Schützengesellschaft von der Landeskreditanstalt als erste Hypothek bewilligt.


28.000,- M   von Freunden der Schützengesellschaft durch Zeichnung von Anteilscheinen


10.000,- M   von der Schützengesellschaft aus den Beständen

Herzog Georg II. und Schützenmeister Dr. Härtrich

Nach einer Bauzeit von einem Jahr, am 29. Juli 1913, konnte der nach Plänen des Hofbaurates Karl Behlert  erbaute Saal mit Wandelhalle eingeweiht werden.

Damit erhielten die Meininger die Möglichkeit größere Veranstaltungen (Bälle, Variete, Konzerte) abzuhalten. So wurde z.B. die Ballsaison grundsätzlich im neuen Saal eröffnet.

Entwurfszeichnung des neuen Schützenhaussaales von Karl Behlert 1912
Saal Ansicht Nord Zchg.